Rezension – The Nikon Autofocus System von Mike Hagen

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Zugegeben: Ich nutze für den Autofokus an meiner D800 in den aller meisten Fällen AF-S mit der Spotmessung. Bei dem Blick durch den Sucher wähle ich mit dem Daumen auf Multifunktionswähler rechts neben dem Monitor den Punkt aus, der scharf sein soll. Das funktioniert ganz gut.

Bei einigen Aufnahmen jedoch klappt das nicht so recht. Dann gibt es ja noch AF-C für bewegte Objekte, das ich manchmal nutze. Und wenn ich die Kamera einem Ungeübten in die Hand gebe, der mit dieser Art der Scharfstellung nicht zurechtkommt, dann stelle ich den Automatik-Modus für den Autofokus ein.

Dann ist mir das Buch von Mike Hagen zum Nikon Autofokus System aufgefallen und ich wollte etwas mehr dazu lernen. Bestellt, geliefert, gelesen – verstanden.

Das Buch bietet für alle, die schärfere Bilder machen wollen und den Autofokus der Kamera richtig einsetzten wollen eine außerordentlich gute Anleitung das zu erreichen. Voraussetzung ist natürlich, dass man das nicht immer einfache, technische Englisch auch gut versteht.

In sieben Kapitel wird ausführlich erklärt, wie der Autofokus funktioniert und wann man welche Einstellung sinnvoll einsetzten kann. Bebildert ist das Buch mit guten Beispielfotos, technischen Darstellungen und den zu den Einstellungen führenden Menus verschiedener Kameramodelle von Nikon.

Einen ganz wichtigen Tipp gibt Mike Hagen ganz zu Beginn im Buch: Üben, üben, üben: Nehmen Sie sich vor ein bestimmtes Motiv zu fotografieren, machen Sie hunderte Fotos, betrachten und analysieren Sie die Bilder am PC, finden Sie ihre Fehler, machen Sie das täglich und werden besser dabei.

Das erste Kapitel beschreibt auf 30 Seiten, wie der Autofokus grundsätzlich funktioniert, welche Modi es bei den verschiedenen Kameramodellen von Nikon gibt und wie sie funktionieren. Gut erklärt dabei sind die drei Grundvoraussetzungen, unter denen Autofokus überhaupt erst funktionieren kann: (viel) Licht, (guter) Kontrast und unterscheidbare Linien.

Im zweiten Kapitel wird erklärt, wie man sich bei den unterschiedlichen Kameramodellen durch die Einstell-Menus durcharbeiten muss, um dann zu den geeigneten Einstellungen zu kommen. Vieles davon findet man sicher auch in der Bedienungsanleitung der jeweiligen Kamera, aber hier ist es weit besser erklärt und mit Hintergrundinformationen gut ergänzt.

Am Ende des Kapitel gibt es noch eine wichtige Ergänzung und Information darüber, wie andere Kameraeinstellungen die Schärfe beeinflussen: Verschlusszeit, Bildrauschen, die Belichtungs-Modi P-S-A-M und Auto, DX und FX. Interessant für mich war hier die Erkenntnis, dass es sich zum Beispiel bei Aufnahmen von Vögeln im Flug selbst bei einer Vollformatkamera lohnen kann auf DX umzuschalten – nicht nur wegen des Gewinns an Brennweite, sondern auch wegen der größeren Abdeckung des Bildes durch die AF-Messpunkte.

Das dritte Kapitel behandelt die Objektive und deren Einstellungen. Hier wird der VR- Modus (die „Anti-Verwackel-Automatik“) hervorragend erklärt, was sie wann bringt und wann man sie ausschalten sollte. Mike Hagen empfiehlt VR bei der Nutzung mit Stativ auszuschalten. Das habe ich schon anders gehört, werde mich damit aber noch mal beschäftigen.

Wenn man sich soweit durchgearbeitet hat in dem Buch, kommt man zu dem aus meiner Sicht nützlichsten Kapitel 4. Hier werden auf jeweils zwei Seiten mit Bildbeispielen für verschiedene Aufnahmesituationen (Sport, Vögel im Flug, Landschaft, Street usw.) in einer Tabelle die jeweils empfohlenen Einstellungen für Schärfe, Belichtungsautomatik und mehr aufgelistet und erklärt. Der Schnell-Leser neigt sicher dazu, nur dieses Kapitel zu lesen und dann „nach Rezept“ vorzugehen. Nicht ganz falsch, aber man versteht dann immer noch nicht, warum gerade diese Einstellung die beste sein könnte. Also besser doch das ganze Buch lesen!

Kapitel 5 und 6 behandeln den Autofokus für die Nutzung der Kamera bei Videoaufnahmen. Das hat mich nicht so sehr interessiert, weil ich es so gut wie nicht nutze. Die Informationen können auch für Gelegenheitsfilmer sehr nützlich sein, um zu besseren Bildern zu kommen.

Das siebte Kapitel schließt das Buch ab mit Themen, die den Autofokus peripher berühren. Mike Hagen erklärt hier unter anderem die Tiefenschärfe und die hyperfokale Entfernung. Weiterhin gibt er ein paar wichtige Tipps für schärfere Bilder bei Fotos „aus der Hand“. Schließlich erklärt er noch, wie man – wenn man es denn unbedingt will – sein Objektiv in der Schärfe mit den Kameraeinstellungen justieren kann.

Fazit

Ein wichtiges und nützliches Buch für alle Fotografen, die mehr lernen wollen und einfacher und öfter zu guten, scharfen Fotos kommen wollen. Dafür fünf Sterne. (Hoffentlich erscheint es auch mal in Deutsch, damit es auch hier eine bessere Verbreitung erreicht.)

Die Daten

Mike Hagen. Nikon Autofocus System Mastering Focus for Sharp Images Every Time erschien im 16. Dezember 2015 bei Rocky Nook. 208 Seiten, Taschenbuch. Auch erhältlich als E-Book / Kindle-Version.
ISBN: 978-1937538781
Preis: Buch 29,22 Euro | E-Book für Kindle 18,24 Euro

 

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