Rezension: Zu Gast in Aserbaidschan von Barbara Lutterbeck aus dem Wienand Verlag, Köln

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Nimmt man das Buch zu Hand erweckt es mit seiner opulenten Aufmachung, vielen Landschafts- und Food-Fotos und dem Untertitel Kultur und Küche Lust, sich mit einem relativ unbekannten Land zu beschäftigen.

Das gilt leider nur auf den ersten Blick: Beim zweiten Blick sind im Titelfoto bei einigen Früchten des Fruchtkorbs die Lichter ausgebrochen: ein Druckproblem oder pure Nachlässigkeit? Und der kontrastarme Druck im gesamten Buch hinterlässt keinen guten Eindruck. Auch die Fotos selbst sind mit wenigen Ausnahmen gute Reisefotos, aber keine Kunstwerke.

Der noch positive erste Eindruck wird sehr strapaziert wenn man nicht nur die Fotos ansieht sondern anfängt, die Texte zu lesen. Ich hatte nicht gelesen, wer Herausgeber des Buches ist und nichts über die Entstehung des Buches: zuerst dachte ich, na ja, manchmal ist eine Textpassage einfach aus einem Touristenprospekt abgeschrieben und es folgen Geschichten und Erlebnisse der Fotografin, die das Land bereist hat. Das Lesen wird zusätzlich erschwert durch die vielen Seiten, bei denen das Bildmotiv transparent hinter den Text gelegt ist. Im kulinarischen Teil ist das besonders störend.

Ja, es gibt viele Informationen über das Land (eine Republik mit Präsidialsystem der Familie Aliyew), aber sie sind leider alle durch den Filter des „staatlichen Komitees für Diaspora Angelegenheiten der Republik Aserbaidschan“ und der Heydar-Aliyew-Stiftung gegangen. Leider merkt man das: die Texte sind zielgerichtet auf deren Leistungen und Absichten formuliert und dazu noch hölzern. Das ist so schade. Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei den schönen Reisefotos, dem kulinarischen Teil und einem lockeren beschreibenden Text gelungen wäre, Lust auf eine Reise in dieses an Naturschönheiten, Geschichte und Kultur reiche Land zu wecken. Auch der kulinarische Teil mit den Gerichten, deren Wurzeln in Orient und Okzident liegen, ermuntert zum Kosten vor Ort.

Leider sind die Fotos vom Landesinneren an Hand der hinten im Buch befindlichen Karte nicht zu verorten, auch das Bildverzeichnis gibt nur wenig Hintergrundinformation dazu. Und es wird kein Wort dazu gesagt, wie man das Land, außer mit einer pauschalen Gruppenreise, denn bereisen könnte. Die Fotografin, das kann man den Informationen auf der letzten Seite entnehmen, folgte einer Einladung der Herausgeber und die Reiseroute war wohl bestens vorgegeben.

Der erste Satz lautet: „Das „Land des Feuers“ birgt unendlich viele Schönheiten und Schätze. Kultur und Kunst sowie ein breit gefächertes Angebot touristischer Höhepunkte lohnen unbedingt eine Reise dorthin„. Allerdings braucht man ein Visum und „Das Auswärtige Amt rät von Reisen in die Region Bergkarabach sowie in die im Südwesten gelegenen, armenisch besetzten Bezirke (…) dringend ab.“ Mit Russisch-Kenntnissen kann man sich verständigen, mit Englisch und Deutsch wohl eher nicht.

Fazit:

Man hätte eine überzeugende Werbung zum Besuch von Aserbaidschan machen können, wenn Fotos und Text eine Einheit bilden würden. Der Teil des Buches, der als Kochbuch mit ausführlichen Rezepten angelegt ist, ist zwar schön und informativ, nimmt aber für unseren Geschmack mit etwa 50 % Buchanteil zu viel Raum ein. Wer gerne kocht, sieht das vielleicht anders. Drei Sterne für ein nicht ganz überzeugendes Werk.

Rezension von Volker und Edith Gottwald

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